Wer spricht von Siegen - Überstehn ist alles.

Rainer Maria Rilke

Hauptsache wir siegen, alles andere ist primär.

Rudi Völler

 

 

 

 

Klaus Theweleit erklärte den Fußball genau zwischen zwei Weltmeisterschaften, im Jahr 2004, in seinem Buch „Tor zur Welt“ zum Realitätsmodell und las ihn wie einen Text. Ob der Fußball jedoch literaturfähig ist, steht nach wie vor in Frage, auch nach Büchern wie denen von Peter Handke, F.C. Delius und Thomas Brussig (siehe unten). Selbst an seiner Kulturfähigkeit lassen sich Zweifel hegen. Zumindest unter den Bedingungen des Gastgeberlandes der nächsten WM, in dem ein normativer Kulturbegriff, der neben der Literatur und den bildenden und darstellenden Künsten nur wenig zuläßt, eine lange Tradition hat.

Als Goethe und Schiller der Stadt Weimar 1999 zum Titel einer Kulturhaupstadt Europas verhalfen, hat niemand daran gedacht, das zum Anlaß für ein europäisches Sportfest oder gar für ein Fußball-Länderspiel zu nehmen.

Eine Fußball-WM in Deutschland jedoch wird kaum ohne einen ambitionierten kulturellen Rahmen auskommen. Und in der Tat: Nicht nur war es der Sängerpoet und Performance-Künstler André Heller, der der deutschen Bewerbung zum Erfolg verhalf und das Ereignis nun mit der FUSSBALL GLOBUS FIFA WM 2006 und der Zeitschrift „Anstoss“ flankieren wird: mit Jochen Hieber bekam die WM auch einen studierten Germanisten und namhaften Literaturkritiker (FAZ) zum Kulturbeauftragten. Beide werden, so hört man, im nächsten Jahr ein Welt-Literatur-Festival veranstalten und damit den Fußball zumindest zum ‚Anstoss’ für Literatur erheben.

Diese Seite wird die Weltmeisterschaft und ihren literarisch-kulturellen Rahmen kritisch begleiten. Im Forum gibt es zudem einen eigenen Bereich zur Diskussion, in dem weitere Links und Infos zu finden sind.

[Th. Schmidt, 06/2005]

 

Lektüreempfehlung____________________________________________________

Karl Riha (Hg.): fußball literarisch oder Der Ball spielt mit dem Menschen. Erzählungen, Texte, Gedichte, Lieder, Bilder, Frankfurt/M. 1982.

Franz Werfel: Fußball und Nationalismus (1932)

Peter Handke: Die Angst des Tormanns beim Elfmeter (1970)

F. C. Delius: Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde (1996)

Günter Grass: Mein Jahrhundert (1999) (Abschnitte: 1903, 1954, 1974)

Thomas Brussig: Leben bis Männer (2001)

Nick Hornby: Fever Pitch (dt. 2002)

 

Eckhard Henscheid: Ein schönes Spiel. Zur Versöhnung von Dichtung und Fußball [1973], in: ders., Ein scharmanter Bauer, Frankfurt/M., S. 316-322

Ralf Adelmann / Rolf Parr / Thomas Schwarz (Hg.): Querpässe. Beiträge zur Literatur-, Kultur- und Mediengeschichte des Fußballs, Heidelberg 2003

Klaus Theweleit: Tor zur Welt. Fußball als Realitätsmodell, Köln 2004

Michael Broschkowski, Thomas Schneider: „Fußlümmelei“. Als Fußball noch ein Spiel war, Berlin 2005

Gunter Gebauer: Poetik des Fußballs, Frankfurt/M. 2006

Dahlmann, Dittmar; Anke Hilbrenner (Hrsg.): Überall ist der Ball rund. Zur Geschichte und Gegenwart des Fußballs in Ost- und Südosteuropa. Essen 2006. - Rezension

 

Links­­­­­­­­­­­­­­___________________________________________________________

Markwart Herzog: „Fußball und Nationalsozialismus“ (Februar 2006, Schwabenakademie Irsee / Deutsche Akademie für Fußballkultur) - Tagungsbericht 

Deutsche Akademie für Fußballkultur (Homepage, Vorstellung, Jahresprogramm 2006, Mitglieder)