___ Forschung ____________________________________________

Hier werden gegenwärtig laufende oder in jüngerer Zeit abgeschlossene Forschungsprojekte zum Thema Literatur und Sport/Bewegungskultur oder zu verwandten Themenbereichen aufgelistet, um die wissenschaftliche Kommunikation zu erleichtern. Zur Kontaktaufnahme sind die Namen mit den jeweiligen E-Mail-Adressen verlinkt. Bitte teilen Sie dem Herausgeber jene Projekte mit, die bislang nicht aufgenommen worden sind.

Liste der Projekte:
Dr. Anne Fleig:

Prof. Dr. Dirk Oschmann:


Elio Pellin:


Sandra Schmidt:


Dr. Thomas Schmidt:

Marcel Sicks:

  
Genie und Norm: Sport und Moderne im Werk Robert Musils

Bewegliche Dichtung. Bewegung als Leitbegriff der Sprach- und Literaturtheorie im späten 18. Jahrhundert

Sportliche Körper - in ausgewählter Prosa von Annemarie Schwarzenbach, Ludwig Hohl, Walther Kauer und Lorenz Lotmar

"Kopfüber und Luftspringen". Bewegung als Wissenschaft und Kunst in der frühen Neuzeit

Literatur und Leibesübungen. Von Winckelmann bis zum Vormärz.

Körpermythen. Populare Sportromane zwischen den Weltkriegen.
Mit einem Klick auf den Namen der Wissenschaftler/innen in der Projektbeschreibung können Sie E-Mail-Kontakt aufnehmen.
 

Abstract:
Die Auseinandersetzung mit dem Sport als körperliche und kulturelle Praxis nimmt in Musils Werk - seinen Essays, dem Nachlass zu Lebzeiten und in Der Mann ohne Eigenschaften - eine zentrale Stellung ein. Durch die Prinzipien Steigerung, Technisierung und Beschleunigung sind Sport und Moderne eng verknüpft. Der Körper im Sport wird Austragungsort eines gesteigerten Erlebens, das sich ansonsten nur durch technische Steigerung (z.B. Auto, Kino) erreichen lässt. Damit steht der Körper im Sport paradigmatisch für die Glücksmöglichkeiten unter den Bedingungen der Moderne ein, denn er ist Objekt der Disziplinierung durch die Rationalität des Trainings, die aber subjektiv gleichzeitig den Ausbruch aus dieser spezifisch modernen Zurichtung ermöglicht. Das Glücksgefühl, das diesem Ausbruch inne wohnt, erfüllt Musil zufolge die mystischen Bedürfnisse des modernen Menschen, da es die Grenze körperlicher Leistungskontrolle transzendiert.
In poetologischer Hinsicht berührt die Analyse des Sports darüber hinaus wesentliche Fragen von Musils Schreiben, der nach eigener Aussage „Beiträge zur geistigen Bewältigung der Welt" liefern wollte. Dabei sah er sich selbst in der Position eines Boxkämpfers, der gegen die Wirklichkeit antritt. Dieser Kampf führt ins Zentrum von Musils kunst- und literaturtheoretischen Überlegungen und erlaubt es, sein utopisches Programm essayistischen Schreibens als ‚sportliche' Poetik zu charakterisieren, für die Exaktheit und Entrückung gleichermaßen kennzeichnend sind.

 
  • Prof. Dr. Dirk Oschmann (Jena): Bewegliche Dichtung. Bewegung als Leitbegriff der Sprach- und Literaturtheorie im späten 18. Jahrhundert - abgeschlossen, im Druck -

Abstract:
Als philosophische Idee spielt „Bewegung" bereits seit der Antike eine Rolle, dann auch als physikalischer Begriff. In geschichtlichem Sinne kommt der Terminus erst seit dem 17. Jahrhundert zur Geltung. Für das 18. Jahrhundert aber läßt sich feststellen, daß „Bewegung" gewissermaßen zur Universalie der Welterklärung aufsteigt. Seither wird eine Fülle von Phänomenen im Horizont des Bewegungsbegriffs auf eine Weise diskutiert, die in der Verschränkung des Beweglichen mit dem Lebendigen einerseits und der Bewegung mit der Freiheit andererseits zugleich ein gewandeltes anthropologisches Verständnis ankündigt, wie es sich später besonders im Vitalismus ausgeprägt hat. Am Anfang dieser Entwicklung steht die Universalisierung des Bewegungsbegriffs, am Ende stehen die Rhetorik der Mobilität und der „flexible Mensch" (R. Sennett).
Diesen bewußtseinsgeschichtlichen Prozeß reflektiert und forciert die Literatur der Aufklärung und Romantik vor allem dort, wo sie das „in sich selbst bewegliche Kunstwerk" fordert (A.W.Schlegel) und wo sie versucht, Bewegung nicht nur als darzustellendes Phänomen, sondern auch als unmittelbar darstellendes Element auszuweisen.

 
  • Elio Pellin (Bern): Sportliche Körper - in ausgewählter Prosa von Annemarie Schwarzenbach, Ludwig Hohl, Walther Kauer und Lorenz Lotmar - abgeschlossen, im Druck -

Abstract:
Viele literarische Texte sind nicht nur Speichermedien einer Kulturgeschichte des Sports. Viele Texte sind bis in ihre Struktur geprägt von bestimmten Konzepten von Sport und vor allem von Konzepten sportlicher Körper. In den in diesem Dissertationsprojekt untersuchten Texten haben Konzepte sportlicher Körper ganz wesentlichen Einfluss auf die Möglichkeiten von Figuren und Textentwicklungen. Ergänzend zum soziologischen ermöglicht die Untersuchung von Dokumenten aus den Nachlässen von Schwarzenbach, Hohl, Kauer und Lotmar einen textgenetischen Ansatz in der Analyse der Texte. Mit dem Fokus auf vier Texte aus der deutschsprachigen Schweiz ergibt sich in der zu leistenden Kontextualisierung nicht zuletzt eine Erweiterung der Kulturgeschichte des Sports, wie sie sich in der deutschsprachigen Literatur zeigt - eine literarische Kulturgeschichte des Sports, die bisher weitgehend durch Untersuchungen von Texten aus Deutschland geprägt war.

 

Abstract:
[folgt]

 

Abstract:
Das Forschungsvorhaben befasst sich aus der Perspektive einer kulturwissenschaftlich orientierten Germanistik mit den weitgehend unerforschten Wechselwahrnehmungen und Wechselwirkungen in der Etablierungsphase zweier Felder (Bourdieu), die heute als Literatur und Sport ausdifferenziert sind und die in den Prozessen der Verbürgerlichung, der Nationalisierung und später der Globalisierung, aber auch im Zuge der Selbstaufklärung des Menschen und der Institutionalisierung der Körper-Geist-Dualität wichtige, zum Teil maßgebliche Positionen innehatten. Die Etablierungsphase von der Mitte des 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurde aus zwei Gründen gewählt: Zum einen bilde­ten sich hier auf zukunftsträchtige Weise sowohl für die Literatur wie auch für die Leibesübungen autonome Bereiche mit eigenen Diskursen, Regel- und Bewertungssystemen heraus, die neben der Orientierung an der griechischen Antike und dem Diskurs über die Sinne im 18. Jahrhundert auch die Politisierung während der Befreiungskriege und im Vormärz sowie die Entpolitisierung nach der ge­scheiterten Revolution von 1848/49 teilten. Zum anderen ermöglicht es dieser Zeitraum, die Ent­wicklung und das Wechselverhältnis beider Felder als noch relativ offen in den Blick zu nehmen. An­gesiedelt im Spannungsfeld zwischen Kultur als Text (Geertz) und Kultur als Praxis (Bourdieu) wird das Projekt literaturhistorische Fragestellungen mit solchen der historischen Anthropologie, der Erzie­hungs-, der Ästhetik-, der Politik- und der Sportgeschichte verknüpfen.

 

Abstract:
Die Geschichte des Körpers zu schreiben bildet ein zentrales Projekt der Kulturwissenschaften. Für dieses Anliegen bieten die zwanziger Jahre ein signifikantes Terrain: In ihnen kommt eine „Besessenheit durch Idealkörper" (Hans Ulrich Gumbrecht) zur Geltung, die sich am unmittelbarsten im Aufstieg des Sports zum populärsten Freizeitangebot der Zeit ablesen lässt. Zeitgleich mit seinem Aufstieg erfährt der Sport seinen Eingang in die Literatur: Das Genre des popularen Sportromans entsteht. Junge Männer müssen in ihm die Initiation in die Erwachsenenwelt bewältigen und vor der Anerkennung ihrer Mannhaftigkeit eine Bewährungsprobe im sportlichen Wettkampf bestehen. Schaffen sie es hier, schaffen sie es überall - das Stadion erscheint als der eigentliche Ort ihrer Lehrjahre.
Der populare Sportroman ist aber deutlich mehr als eine Trivialform des Bildungsromans. Seine Analyse bringt einen wesentlichen Hintergrund für die Körpereuphorie der zwanziger Jahre zum Vorschein. In seinem Zentrum konstituiert sich ein Mythos: Indem er immer aufs Neue Sport als Medium der Erziehung zeichnet, kultiviert der Sportroman die Utopie einer Bildung des Menschen mittels der Bildung seines Körpers. Letztlich stellt er so einen Versuch dar, durch den Rekurs auf den Körper das Ideal einer ganzheitlichen Identität in (und trotz) der Moderne aufrechtzuerhalten.
Der Sportroman soll in meiner Dissertation auf der Grundlage aktueller Theorien der Popularkultur analysiert und kontextualisiert werden. Es stellt sich heraus, dass der Bildungsmythos eine Ideologie des Willens und der Askese impliziert, die Ideen der zeitgenössischen Lebensreformbewegung und Sportpädagogik fortführt. Aber auch die Jugendbewegung und die Frauenemanzipation hinterlassen im Sportroman ihre Spuren. Schließlich wird der Sportroman zur Herausforderung intellektueller literarischer Kreise, die sich gegen Ende der zwanziger Jahre ebenfalls des Genres annehmen und ein subtiles Spiel mit der Dekonstruktion seines Mythos sowie der Ästhetisierung des Sports beginnen.